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Rechnungsabweichungen klären: So funktioniert strukturiertes Abweichungsmanagement

Rechnungsabweichungen gehören in vielen Unternehmen zum Alltag. Preise stimmen nicht mit der Bestellung überein, Mengen weichen vom Wareneingang ab oder Pflichtangaben fehlen. Ohne klar definierte Regeln entstehen schnell Klärfälle, die Einkauf, Buchführung und Fachbereiche untereinander abstimmen müssen.

Ein strukturiertes Abweichungsmanagement ersetzt dieses „E-Mail-Ping-Pong“ durch ein standardisiertes Exception Handling. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie es funktioniert.

Was sind Rechnungsabweichungen?

Rechnungsabweichungen entstehen, wenn Rechnungsdaten von Bestellung, Vertrag oder Wareneingang abweichen.

Eine Rechnungsabweichung (Invoice Exception) liegt vor, wenn die Angaben einer eingehenden Rechnung nicht mit den zugrunde liegenden Bestell-, Vertrags- oder Wareneingangsdaten übereinstimmen.

Unterschied Rechnungsabweichung und Rechnungskorrektur

Wichtig ist die Abgrenzung zur Rechnungskorrektur. Eine Rechnungsabweichung beschreibt zunächst nur eine Unstimmigkeit im Prüfprozess. Erst wenn sich bestätigt, dass die Rechnung tatsächlich fehlerhaft ist, wird eine Korrektur erforderlich – etwa durch eine neue Rechnung oder eine Gutschrift des Lieferanten. Ein Klärfall dient also dazu, Abweichungen zu prüfen, zu dokumentieren und zu entscheiden, wie Mitarbeitende die Rechnung weiterbearbeiten.

Wann Rechnungsabweichungen ein Problem sind

Eine Rechnungsabweichung wird zum Klärfall, wenn eine Abweichung definierte Toleranzen überschreitet oder wichtige Informationen fehlen. Ein gutes Beispiel ist eine Preisabweichung. Der Rechnungsbetrag darf zum Beispiel nur bis zu X Prozent vom Bestellpreis abweichen. Andernfalls ist die Toleranzgrenze überschritten.

In diesem Moment stoppt das Rechnungsprogramm den Workflow im Rechnungsabgleich. Mitarbeitende müssen dann die Rechnung manuell prüfen.

Fehlerhafte Rechnung: Was sind die häufigsten Abweichungen in der Rechnungsprüfung?

Die folgenden Fälle gehören zu den häufigsten Ursachen für Klärfälle im Purchase-to-Pay-Prozess.

Abweichung Ursache / Fehler Verantwortlich Lösung
Preisabweichung

Preis in der Rechnung weicht von Bestellung oder Vertrag ab, falsche Konditionen oder veraltete Stammdaten

Einkauf / Buchhaltung

Bestellung prüfen, Preis klären, eventuell Rechnungskorrektur oder Gutschrift durch den Rechnungssteller

Mengenabweichung

Fakturierte Menge stimmt nicht mit Lieferung oder Bestellung überein

Einkauf / Wareneingang

Wareneingang prüfen, Differenz klären, korrigierte Rechnung oder Anpassung der Bestellung

Fehlender Wareneingang (WE)

Rechnung liegt vor, aber Wareneingang wurde noch nicht gebucht

Fachbereich / Lager

Wareneingang nachbuchen oder Lieferung prüfen

Fehlendes Service Entry Sheet (SES)

Leistung wurde erbracht, aber nicht im System bestätigt

Fachbereich / Projektverantwortliche

Leistung erfassen und bestätigen

Steuerabweichung

Falscher Umsatzsteuersatz, falscher Steuerbetrag oder fehlende steuerliche Pflichtangaben

Buchhaltung

Rechnung prüfen, ggf. Korrekturrechnung anfordern, Einhaltung von § 14 Abs. 4 UStG sicherstellen

Doppelrechnung

Gleiche Rechnungsnummer oder identischer Rechnungsbetrag mehrfach eingereicht

Buchhaltung

Rechnung vergleichen, Zahlung stoppen, Stornorechnung oder Klärung mit Lieferanten

Fehlende Pflichtangaben

Angaben wie Rechnungsnummer, Rechnungsdatum, Steuernummer oder Leistungsempfänger fehlen

Buchhaltung / Rechnungssteller

Korrigierte Rechnung anfordern, Vorsteuerabzug erst nach korrekter Rechnung möglich

Toleranzgrenzen in der Rechnungsprüfung und Entscheidung: Automatisch freigeben oder blockieren?

Nicht jede fehlerhafte Rechnung führt automatisch zu einem Klärfall. Viele Unternehmen definieren im Purchase-to-Pay-Prozess Toleranzgrenzen, innerhalb derer sie kleine Differenzen im Rechnungsbetrag oder bei einzelnen Positionen akzeptieren.

Überschreiten Abweichungen die festgelegten Grenzen oder fehlen Pflichtangaben nach § 14 Abs. 4 UStG (Umsatzsteuergesetz), wird die Rechnung blockiert und ein Klärfall entsteht. In diesem Fall muss die Buchhaltung prüfen, ob eine Rechnungskorrektur, eine Gutschrift oder eine Stornorechnung erforderlich ist.

Hey Doxi, was sind typische Arten von Toleranzgrenzen?

  • Absolute Toleranzen erlauben eine feste Differenz, etwa ein Unterschied von 5 Euro im Rechnungsbetrag.
  • Relative Toleranzen definieren die erlaubte Differenz prozentual, beispielsweise 2 Prozent Preisabweichung pro Position.
  • Kopftoleranzen beziehen sich auf den gesamten Rechnungsbetrag einer Rechnung und gleichen kleine Differenzen im Gesamtbetrag aus.
  • Positionstoleranzen prüfen jede einzelne Rechnungsposition. Abweichungen bei Preis oder Menge werden pro Position bewertet.

Governance-Regeln legen übrigens fest, wer Toleranzen anpassen darf, etwa Einkauf oder Buchhaltung.

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Klärfall-Rechnung: Wie sieht der Workflow aus?

So funktioniert ein automatisierter Workflow im Klärfall:

  1. Klärfall zuweisen: Das System erkennt die Abweichung im Dokument und weist den Vorgang automatisch der zuständigen Rolle zu, zum Beispiel Einkauf, Fachbereich oder Buchhaltung – gesteuert über einen Freigabeworkflow.
  2. Rechnung innerhalb definierter SLAs bearbeiten: Für Klärfälle gelten feste Bearbeitungsfristen (Service Level Agreements).
  3. Fristüberschreitung eskalieren: Bearbeiten Mitarbeitende den Klärfall nicht rechtzeitig, erfolgt eine automatische Eskalation – etwa an Teamleitungen oder Prozessverantwortliche.
  4. Stellvertretungsregelungen: Bei Abwesenheiten übergibt das System den Vorgang automatisch an eine definierte Vertretung. Der Klärprozess bleibt dadurch auch bei Urlaub oder Krankheit stabil.
  5. Kommentar- und Nachweisführung: Alle Schritte erfasst das System direkt im Vorgang. Kommentare, Lieferantennachweise, korrigierte Rechnungen oder Gutschriften bleiben revisionssicher gespeichert.

Nachweise und Audit Trail: Korrekturen revisionssicher dokumentieren

Bei fehlerhaften Rechnungen, Rechnungskorrekturen oder einer Stornorechnung ist wichtig, dass Änderungen nachvollziehbar bleiben – zum Beispiel für interne Prüfungen, Betriebsprüfungen oder Abzug der Vorsteuer. Das sind Kontrollmechanismen:

  • Berechtigungen und Rollen: Nur autorisierte Personen können auf Rechnungen, Korrekturen oder Freigaben zugreifen.
  • Protokollierung aller Änderungen: Jede Bearbeitung protokolliert das System automatisiert. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, wann eine Rechnungskorrektur geschah und welche Änderungen sie zur ursprünglichen Rechnung enthält.
  • Digitale Archivierung: Das System archiviert die Originalrechnung, korrigierte Rechnung, Gutschrift oder Nachweise gemeinsam revisionssicher in einem digitalen Archiv.
  • Automatische Datenextraktion: Systeme lesen Rechnungsnummer, Rechnungsdatum, Beträge oder Umsatzsteuer mittels Datenextraktion automatisch aus. Moderne Systeme nutzen Datenextraktion mit KI, um Rechnungsdaten automatisch auszulesen.

KPIs und Best Practices: Wie lassen sich Abweichungen nachhaltig reduzieren?

Um Rechnungsabweichungen langfristig zu reduzieren, lohnt sich ein Blick auf klare Kennzahlen und wiederkehrende Ursachen.

Wichtige KPIs im Abweichungsmanagement:

  • Touchless Rate: Anteil der Rechnungen, die Ihr Unternehmen ohne manuelle Prüfung automatisch verarbeitet und bezahlt.
  • Exception Rate: Anteil der Rechnungen, bei denen Rechnungsabweichungen auftreten und ein Klärfall entsteht.
  • Cycle Time: Durchschnittliche Zeit vom Rechnungseingang bis zur Freigabe oder Zahlung.
  • First Pass Yield: Anteil der Rechnungen, die Ihr Unternehmen direkt korrekt verarbeitet, ohne Rechnungskorrektur, Gutschrift oder Rückfragen.

Korrekte Rechnung: Best Practices zur Reduzierung von Rechnungsabweichungen

Dauerhaft weniger Rechnungsabweichungen erreichen Unternehmen vor allem dann, wenn sie typische Fehlerquellen im Prozess systematisch angehen:

  • Verbessern Sie Ihre Stammdatenqualität: Stellen Sie sicher, dass Preise, Lieferantenstammdaten, Umsatzsteuersätze und Artikelinformationen korrekt gepflegt sind.
  • Kommunizieren Sie klare Vorgaben an Lieferanten: Geben Sie eindeutig vor, welche Pflichtangaben eine Rechnung enthalten muss – etwa Rechnungsnummer, Rechnungsdatum oder Umsatzsteuerangaben.
  • Analysieren Sie wiederkehrende Fehler systematisch: Prüfen Sie typische Ursachen wie Tippfehler, falsche Beträge oder Mengenabweichungen und beheben Sie diese dauerhaft.
  • Standardisieren Sie Ihre Rechnungsprozesse: Definieren Sie klare Regeln für Toleranzen, Freigaben und Rechnungskorrekturen. Das reduziert Klärfälle und sorgt für stabilere Abläufe im Geschäftsalltag.

Besonders relevant ist dabei die kontinuierliche Verbesserung: Sinkende Exception Rates und steigende Touchless Rates zeigen, dass Prozesse nachhaltig optimiert wurden.

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Fazit: Mit Doxis Abweichungen in Rechnungen managen

Automatisieren Sie Ihren Rechnungseingang und klären Sie die Rechnungsabweichungen fortan mit System. Mit Doxis steuern Sie den gesamten Rechnungsprozess – Rechnungen erfassen, bearbeiten, prüfen, freigeben und zahlen.

Doxis erkennt automatisch Rechnungsnummer, Rechnungsdatum, Rechnungsbetrag, Umsatzsteuer und Pflichtangaben, gleicht diese mit Bestellung oder Wareneingang ab und erkennt Abweichungen frühzeitig. So lassen sich fehlerhafte Rechnungen, Tippfehler, Doppelrechnungen oder falsche Beträge schnell identifizieren und Klärfälle gezielt bearbeiten.

Häufige Fragen zum Abweichungsmanagement von Rechnungen

Welche Rechnungsabweichungen sind am häufigsten?
Häufig treten Preis- oder Mengenabweichungen, falsche Umsatzsteuersätze, doppelte Rechnungsnummern oder Tippfehler im Rechnungsbetrag auf. Auch fehlende Pflichtangaben wie Rechnungsdatum, Steuernummer oder Leistungsempfänger führen zu einer fehlerhaften Rechnung.
Wie definieren Unternehmen Toleranzgrenzen, ohne Compliance-Risiken zu erhöhen?
Unternehmen legen absolute oder prozentuale Toleranzen für kleine Differenzen im Rechnungsbetrag oder bei einzelnen Positionen fest. Wichtig ist, dass diese Regeln klar dokumentiert und nur autorisierte Rollen diese ändern können.
Wann darf eine Rechnungskorrektur automatisch freigegeben werden – und wann muss ein Klärfall starten?
Liegt eine Differenz innerhalb der definierten Toleranzgrenzen, lässt sich eine Rechnung im Unternehmen automatisch prüfen und zur Zahlung freigegeben. Überschreitet die Abweichung die festgelegten Werte, entsteht ein Klärfall.
Welche KPIs zeigen, ob das Abweichungsmanagement funktioniert?
Wichtige Kennzahlen im Abweichungsmanagement sind die Touchless Rate, also der Anteil automatisch verarbeiteter Rechnungen, sowie die Exception Rate für Rechnungen mit Abweichungen. Ergänzend zeigen Cycle Time und First Pass Yield, wie schnell Unternehmen Rechnungen verarbeiten und wie viele ohne Korrektur durchlaufen.
Wie sieht ein guter Klärfall-Workflow aus?
Ein strukturierter Workflow umfasst die automatische Zuweisung an zuständige Rollen, definierte SLAs, Eskalationen bei Fristüberschreitungen sowie Stellvertretungsregeln. Ergänzend sorgt eine lückenlose Kommentar- und Nachweisführung dafür, dass alle Entscheidungen nachvollziehbar und revisionssicher dokumentiert sind.

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