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Toleranzen in der Rechnungsprüfung mit SAP definieren

Toleranzen in der Rechnungsprüfung mit SAP definieren, wann Rechnungen automatisch gebucht werden und wann ein Klärfall entsteht.

Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Toleranzen in der Rechnungsprüfung mit SAP strukturiert aufsetzen und die Rechnungsverarbeitung in Ihrem Unternehmen automatisieren.

Was sind Toleranzgrenzen in der Rechnungsprüfung?

Toleranzgrenzen in der Rechnungsprüfung sind regelbasierte Grenzwerte, innerhalb derer das System Abweichungen automatisch akzeptiert. Sie legen fest, wann Rechnungen ohne manuellen Eingriff verarbeitet werden und wann ein Klärfall entsteht.

Toleranzgrenzen sind damit ein Steuerungsinstrument. Sie ersetzen keinen Freigabeprozess, sondern definieren, wann ein Prozess automatisch weiterläuft und wann eine bewusste Freigabeentscheidung erforderlich ist.

Typische Toleranzgrenzen umfassen prozentuale Preisabweichungen (z. B. ±0,5 %), Mengendifferenzen (z. B. ±2 Einheiten), absolute Betragsuntergrenzen (z. B. bis 50 €) oder eine Kombination daraus.

Warum braucht es Toleranzgrenzen in der Rechnungsprüfung?

Ohne klare Toleranzregeln landen Rechnungen mit kleinsten Preisabweichungen im manuellen Klärprozess und verzögern so die Rechnungsverarbeitung unnötig. Das kann Zahlungen blockieren, Mahnungen auslösen und im schlimmsten Fall die Kundenbeziehung belasten.

Wenn Sie Ihre Rechnungsprüfung mit SAP steuern, sortiert der dort eingerichtete Toleranzschlüssel automatisch aus: Jede Rechnungsabweichung in SAP löst dabei eine systemseitige Prüfung oder einen Klärfall im Rechnungseingang aus.

Welche Arten von Toleranzen im Rechnungseingang gibt es?

Die folgende Tabelle zeigt verschiedene Arten von Toleranzen mit dazugehörigen Beispielen und was bei einer Überschreitung der Toleranzgrenze passiert:

Toleranzart Beschreibung Beispiel

Was passiert bei einer Überschreitung der Toleranzgrenze?

 

Preisabweichung

Differenz zwischen Rechnungspreis und Bestellpreis

Bestellpreis 100 €, Rechnungspreis 105 €, Toleranzgrenze: 2 % oder 5 €

Die Rechnung wird gesperrt, es entsteht ein Klärfall

Mengenabweichung

Differenz zwischen Rechnungsmenge und Wareneingangsmenge

Wareneingang: 90 Stück, Rechnung: 100 Stück, Toleranzgrenze: 3 % oder 2 Stück

Es kommt zu einer Teilbuchung oder Sperrung

Bestellpreismengenabweichung

 

Kombinierte Abweichung aus Preis und Menge

Bestellpreis 50 €/Stück × 100 Stück = 5.000 €, Rechnungsposition: 48 €/Stück × 110 Stück = 5.280 €, Toleranzgrenze: 5 % des Positionsbetrags

Es erfolgt eine systemseitige Prüfung gegen den Positionsbetrag

Betragsobergrenze

Absoluter Maximalbetrag, ab dem eine Rechnung eskaliert

Rechnungsbetrag 50.740 €, Toleranzgrenze: 50.000 €

Es besteht die Pflicht zur manuellen Freigabe

Steuerabweichung

Differenz im Steuerbetrag

Nettobetrag 1.000 €, erwartete MwSt. 190 €, berechnete MwSt. 210 €, Toleranzgrenze: 1 % oder 10 €

Es kommt zu einer Buchungssperre oder Warnung

Terminabweichung/
Lieferterminprüfung

Abweichung zwischen Rechnungsdatum, Liefertermin und Wareneingang im Belegfluss

Lieferdatum 01.04., Rechnungsdatum 15.04., Wareneingangsbestätigung noch ausstehend, Toleranzgrenze: 10 Kalendertage

Die Rechnung wird vorläufig gesperrt,
bis eine Wareneingangsbestätigung erfolgt

Die Toleranzprüfung in SAP erfolgt positionsbezogen, das heißt, jede Rechnungsposition wird einzeln gegen die hinterlegten Toleranzschlüssel geprüft. Das senkt die Fehlerquote deutlich, erfordert jedoch im Vorhinein einen größeren Aufwand bei der Konfiguration von Toleranzgrenzen in SAP.

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Entscheidungslogik: Automatisch buchen, freigeben oder sperren?

Die Entscheidungslogik im Rechnungseingang folgt einer klaren Wenn-dann-Struktur. Das System trifft keine Ermessensentscheidungen, sondern wendet zuvor konfigurierte Regeln ausnahmslos an:

  • Rechnungsbetrag ≤ Toleranzgrenze und kein Sperrkriterium erfüllt → automatische Buchung (Touchless-Prinzip)
  • Abweichung innerhalb der Toleranz, aber Betrag > definierter Schwellenwert → Workflow zur manuellen Freigabe
  • Preisabweichung > Toleranzgrenze → Sperre der Rechnung und Anlage eines Klärfalls
  • Wareneingang fehlt → temporäre Sperre bis zur Wareneingangsbuchung
  • Steuerdifferenz vorhanden → Buchungssperre und Meldung an die Kreditorenbuchhaltung
  • Lieferant auf Sperrliste → Sofortsperre und Eskalation an den Einkauf

Diese Wenn-dann-Regeln bilden die Grundlage für den Automatisierungsgrad im Rechnungseingang. Je präziser die Toleranzgrenzen in SAP kalibriert sind, desto höher ist auch die Touchless-Rate im Workflow Ihres Unternehmens.

Praxisbeispiel zu einer Preisabweichung bei einer Rechnung

Eine Toleranzgrenze liegt bei 2 Prozent. Der Bestellpreis beträgt 200 Euro pro Einheit, der Rechnungspreis 204 Euro pro Einheit. Die Abweichung beträgt damit 2 Prozent und liegt genau an der Toleranzgrenze. Das System bucht in diesem Fall die Rechnung automatisch, sofern kein weiteres Sperrkriterium greift. Liegt der Rechnungspreis jedoch bei 205 Euro, wird die Toleranzgrenze überschritten und es kommt zu einer Sperrung und einem Klärfall.

Häufige Abweichungen und Klärfälle

Klärfälle entstehen, wenn beispielsweise ein Rechnungsabweichung in SAP erkannt wird. Die folgende Tabelle zeigt mögliche Ursachen, Zuständigkeiten und Lösungswege bei Klärfällen:

Abweichungstyp

Mögliche Ursachen

Verantwortliche Partei

Lösungswege

Preisabweichung Rechnung

Preisänderung nach Bestelldatum, Fehler im Lieferantenangebot

Einkauf, Lieferant

Preiskorrektur in Bestellung oder Rechnungskorrektur durch Lieferant

Mengenabweichung

Teillieferung, Buchungsfehler im Wareneingang

Lager, Lieferant

Nachbuchung WE oder Rechnungskorrektur

Fehlender Bestellbezug

Rechnung ohne PO-Nummer, Freitextbestellung

Anforderer, Einkauf

Nachträgliche Bestellanlage oder Kontierung durch Fachabteilung

Doppelrechnung

Gleiche Rechnungsnummer zweimal eingegangen

Kreditorenbuchhaltung

Systemseitige Dublettenprüfung, manuelle Klärung

Steuerabweichung

Falscher Steuersatz durch Lieferant

Kreditorenbuchhaltung, Steuerabteilung

Rechnungskorrektur anfordern, Nachweise für Betriebsprüfung

Wareneingang Abweichung

WE noch nicht gebucht, obwohl Ware eingetroffen

Lager

Wareneingangsnachbuchung, Dokumentation im System

Um die Rechnungsbearbeitung so wenig wie möglich zu verzögern, erfordern Klärfälle eindeutig zugewiesene Verantwortlichkeiten. Jede Entscheidung muss zudem dokumentiert werden, sei es für die interne Nachvollziehbarkeit oder nach außen hin als revisionssicherer Nachweis.

Zuständigkeiten und Regeln: Wer darf Toleranzen ändern?

Toleranzgrenzen in der Rechnungsprüfung sind keine statischen Systemwerte. Sie werden bewusst gesetzt, regelmäßig überprüft und nach Bedarf neu definiert. In dieser Tabelle zeigen wir eine mögliche Zuordnung von Rollen und Verantwortlichkeiten für die Pflege und Änderung von Toleranzgrenzen in der Rechnungsprüfung:

Abteilung

Zuständig für

SAP-Administrator / IT

Technische Konfiguration der Toleranzschlüssel im System

Finance-Controller

Fachliche Definition der Toleranzgrenzen, Freigabe von Änderungen

Einkaufsleitung

Abstimmung bei warengruppenspezifischen Abweichungen

Shared Services / AP-Leitung

Operativer Betrieb, Eskalationsmanagement

Interne Revision

Prüfung der Dokumentation und Regelkonformität

Jede Anpassung einer Toleranzgrenze benötigt zunächst eine Freigabe durch den Finance-Controller und wird mit Datum, Begründung und der Person, die die Genehmigung erteilt, dokumentiert.

Buchungskreisspezifische Toleranzregeln, wie sie in SAP vorhanden sind, ermöglichen es, unterschiedliche Schwellenwerte für verschiedene Gesellschaften oder Warenbereiche zu hinterlegen. Das erhöht die Präzision der automatischen Rechnungsprüfung merklich.

Kontrollen und Nachvollziehbarkeit: Protokollierung, Berechtigungen und revisionssichere Nachweise

Toleranzen in der Rechnungsprüfung entfalten ihre Wirkung nur mit vollständiger Transparenz über jede Entscheidung im Prozess. Ohne nachvollziehbare Dokumentation von Prüfungen, Freigaben und Sperren fehlt die Grundlage für ein revisionssicheres System.

Hey Doxi, welche Anforderungen muss ein revisionssicheres System erfüllen?

Ein revisionssicheres System sollte folgende Anforderungen erfüllen:

  • Vollständige Protokollierung jeder Freigabe, Sperrung und Klärfallentscheidung mit Zeitstempel und User-ID
  • Berechtigungskonzept: Nur definierte Rollen ändern Toleranzgrenzen oder übersteuern Systemsperren
  • Belegkette vollständig einsehbar: Bestellung, Wareneingang, Rechnung, Kommunikation – alles im Kontext
  • Nachweis der Genehmigungskette bei manuellen Freigaben oberhalb definierter Betragsgrenzen
  • Änderungshistorie für alle Toleranzkonfigurationen

KPIs: Was zeigen gute Toleranzregeln?

Gut kalibrierte Toleranzgrenzen in der Rechnungsprüfung zeigen sich in messbaren Prozesswerten. Key Performance Indicators machen die Qualität der Regelkonfiguration sichtbar:

KPI Definition Zielwert (Richtwert)

Touchless Rate

Anteil Rechnungen ohne manuellen Eingriff an Gesamtvolumen

> 70 %

Klärfallquote

Anteil Rechnungen mit Abweichung und manuellem Klärprozess

< 10 %

Durchlaufzeit Klärfall

Durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Klärfalls in Stunden/Tagen

< 2 Arbeitstage

Skontoausschöpfungsrate

Anteil genutzter Skonti am Gesamtpotenzial

> 90 %

Preisabweichungsquote

Anteil Rechnungspositionen mit Preisabweichung zum Bestellpreis

< 5 %

Eskalationsrate

Anteil Klärfälle, die an übergeordnete Ebene eskaliert werden

< 2 %

Steigende Klärfallquoten bei stabilen Bestellvolumina deuten auf fehlerhafte Lieferantendaten oder falsch kalibrierte Toleranzgrenzen hin.

Sinkende Touchless Rates weisen auf neue Abweichungsmuster und Anpassungsbedarf hin.

Automatisierung der Rechnungsprüfung mit SAP: Wo Regeln reichen und wo KI unterstützt

Regelbasierte Automatisierung funktioniert zuverlässig, wenn Abweichungen klar definiert und strukturiert sind. Toleranzschlüssel in SAP greifen bei Preisabweichungen bei Rechnungen, Mengenabweichungen und Betragsgrenzen. In diesen Fällen eignet sich die regelbasierte Automatisierung für Ihr Unternehmen besonders:

  • Preistoleranzen (prozentualer Schwellenwert pro Position)
  • Mengenabweichungen bei vollständigem Bestellbezug
  • Dublettenprüfung nach Rechnungsnummer und Lieferant
  • Automatische Buchung bei Vollübereinstimmung

Bestimmte Workflows lassen sich jedoch mithilfe von KI deutlich effizienter gestalten:

  • Erkennung und Extraktion von Rechnungsdaten aus unstrukturierten Formaten (PDF, E-Rechnung, Papier)
  • Zuordnung von Rechnungen ohne Bestellbezug zu Kostenstellen oder Projekten
  • Anomalieerkennung bei Lieferantenmustern (z. B. systematische Preisabweichungen)
  • Klassifikation eingehender Belege vor der eigentlichen Toleranzprüfung

Die Kombination aus Regelautomatisierung mit SAP und KI-gestützter Extraktion bildet die Grundlage für eine hohe Touchless Rate und fehlerfreie Prozesse.

Wie Doxis die Rechnungsprüfung mit SAP ergänzt und sich nahtlos in den Workflow Ihres Unternehmens einfügt

Hey Doxi, wie kann Doxis die Automatisierung der Rechnungsprüfung in meinem Unternehmen unterstützen?

  • Doxis P2P for SAP automatisiert den gesamten Rechnungseingang und verbindet ihn direkt mit der digitalen Rechnungsprüfung und Rechnungsfreigabe. Workflows steuern Abweichungen auf Basis definierter Toleranzregeln und leiten Rechnungen ohne Umwege in Klärung, Freigabe oder direkte Buchung.
  • Sperren, Freigaben, Zuständigkeiten, Eskalationen und Stellvertretungen greifen in einem durchgängigen Prozessmodell. Klärfälle laufen nicht über manuelle Abstimmungen per E-Mail, sondern über klar definierte, digitale Workflows.
  • Doxis DMS/ECM bündelt die vollständige Belegkette aus Bestellung, Wareneingang, Rechnung und Kommunikation im digitalen Archiv. Jede Entscheidung bleibt nachvollziehbar dokumentiert und steht jederzeit als revisionssicherer Nachweis bereit.
  • Optional extrahiert Doxis AI.dp Rechnungsdaten und stellt sie für die regelbasierte Validierung im Rechnungseingang bereit. Das reduziert die manuelle Erfassung, erhöht die Datenqualität und beschleunigt die gesamte Rechnungsverarbeitung.

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Häufig gestellte Fragen zu Toleranzen in der Rechnungsprüfung

Welche Toleranzen gibt es in der Rechnungsprüfung?
Toleranzen in der Rechnungsprüfung umfassen Preisabweichungen zwischen Bestellpreis und Rechnungspreis, Mengenabweichungen zwischen Wareneingangsmenge und Rechnungsmenge, Steuerabweichungen sowie Betragsobergrenzen für manuelle Freigaben. In SAP steuert ein buchungskreisspezifischer Toleranzschlüssel, welche Abweichungsart geprüft wird.
Wann wird eine Rechnung automatisch freigegeben und wann wird sie gesperrt?
Eine Rechnung wird automatisch freigegeben, wenn alle Rechnungspositionen innerhalb der definierten Toleranzgrenzen liegen und kein Sperrkriterium greift. Eine Sperrung erfolgt bei Überschreitung der Toleranzgrenzen, bei fehlendem Wareneingang, bei Steuerabweichungen oder bei Betragsgrenzen, die eine manuelle Freigabe erfordern.
Wie werden Eskalationen und Stellvertretungen für Klärfälle aufgesetzt?
Eskalationen und Stellvertretungen in Klärfällen werden in Workflow-Systemen konfiguriert. Eskalationsregeln greifen zeitbasiert oder wertbasiert. Stellvertretungen sind rollenbasiert hinterlegt. Doxis P2P for SAP steuert diese Logik prozessual, unabhängig von manueller E-Mail-Koordination.
Welche Nachweise braucht man für Audit und Revision?
Für Audit und Revision braucht der Prozess einen vollständigen Audit-Trail: Zeitstempel und User-ID jeder Freigabe oder Sperrung, die vollständige Belegkette aus Bestellung, Wareneingang und Rechnung, Dokumentation jeder manuellen Entscheidung sowie eine Änderungshistorie für Toleranzkonfigurationen.
Wie beeinflussen Toleranzen im Rechnungseingang die Touchless Rate?
Die Touchless Rate steigt, wenn Toleranzgrenzen präzise auf tatsächliche Abweichungsmuster kalibriert sind. Zu enge Grenzen erzeugen unnötige Klärfälle. Zu weite Grenzen gefährden die Kontrollsicherheit. Gut definierte Toleranzgrenzen in der Rechnungsprüfung ermöglichen Touchless Rates von über 70 Prozent bei gleichzeitig vollständiger Revisionssicherheit.
Wie messe ich Extraktionsqualität konkret?
Entscheidend sind Kennzahlen wie Field Accuracy je Feldtyp, Confidence Scores zur Bewertung einzelner Ergebnisse und klar definierte Fehlerklassen. Zusätzlich sollten Sie regelmäßig Stichproben durchführen, um systematische Fehler frühzeitig zu erkennen.

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